Ich begann meine journalistische Karriere als Sportredakteur. Mein damaliger Chef und Mentor gab mir einen Rat auf den Weg, den ich auch heute noch zu befolgen versuche: Egal, wie sehr Du Dein Gegenüber schätzt, bleib objektiv! Du bist Berichterstatter – und kein Fan.
Nun ist das hier ein Blog und keine Zeitung. Trotzdem bemühe ich mich um Objektivität, wo es nur geht. Nicht gerade leicht bei einer so subjektiven Geschichte wie Musik. Als ich gestern abend DSDS schaute und mich die Kandidaten von Minute zu Minute mehr ermüdeten, recherchierte ich noch ein wenig nach Leona Lewis. Bei aller Zurückhaltung - ich kann nicht anders: Diese Frau ist eine Granate! Schaut Euch diese Performance an und sagt mir: Wer war jemals besser? Nicht nur in einer Casting-Show? Generell. Erinnert Ihr Euch an einen großen TV-Auftritt, der souveräner war und mehr unter die Haut ging als dieser hier?
In den nächsten Tagen erscheint bei spodtronic ein Interview, das ich mit A Fine Frenzy geführt habe. Keine Sorge, ich werde Euch darauf noch mal in einem Extra-Post hinweisen. Wovon ich vollkommen überrascht war: Alison ist eine wunderschöne Frau und hat mir wirklich die Sprache verschlagen. Als ich in den Raum kam, fiel mir mein Diktiergerät erst einmal auf den Boden. Das Gute daran war, dass sie Spaß hatte. Immerhin einer von uns. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt.
Zum Beweis: So schön ist Alison Sudol (könnte auch eine Schlagzeile in der Bild sein).
Ende 2006 gewann Leona Lewis die britische Casting-Show „X-Factor“. Na und, mag jetzt der geneigte Leser denken? Recht hat er. Casting-Show-Sieger gibt es wie Sand am Meer. Jeden Monat irgendwo einen Neuen. Meistens halten sich die vermeintlichen Superstars ein paar Wochen in den Schlagzeilen und Charts. Dann verschwinden sie schneller, als sie gekommen sind. Ich verwette aber meinen Ar…, dass das bei Leona Lewis nicht passieren wird. Wieso? Hier der erste Grund, schaut Euch bitte diesen Clip an und sagt mir hinterher, ob Ihr schon mal eine besser Stimme bei einer Casting-Show gesehen habt.
Der zweite Grund ist aber noch viel wichtiger. Die Sieger der Casting-Shows bekommen von ihren Plattenfirmen oft nur weniger Tage oder – in den besten Fällen – einige Wochen, um schnell mal ein Album aufzunehmen. Leona Lewis aber erhielt fast ein Jahr. Clive Davis, der schon Whitney Houston und Alicia Keys an die Spitze führte, nahm sich ihrer an, stellte ihr die besten Songwriter und Produzenten an die Seite und nahm so „Spirit“, das erste Album an. Der Erfolg gibt dem Team recht: Es ist das meistverkaufte Debüt einer Newcomerin in England, die Single „Bleeding Love“ ist die meistverkaufte Single des letzten Jahres in England. Was lernen wir daraus? Casting-Shows können in der Tat Superstars hevorbringen. Dafür braucht mal allerdings ein paar Faktoren: Talent, Geduld und das richtige Management. Im Fall von Leona Lewis kam alles zusammen.
Es wird nicht mehr lange dauern, dann sollte Euch der Name Yael Naim ein Begriff sein. Denn die Sängerin mit französisch-israelischen Wurzeln steuert den Soundtrack zur neuen Apple-Kampagne bei. „New Soul“ ist der Song zur Markteinführung des MacBook Air. Damit tritt Naim in die Fußstapfen von Feist, die für den Song („1 2 3 4“) der letzten Apple-Kampagne verantwortlich war und erst dadurch ihren internationalen Durchbruch feiern konnte. Ähnliches könnte jetzt auch Yael Naim gelingen, auch wennes Kritiker gibt, die meinen, dass sie eine Nische besetzt, die bereits mit Norah Jones oder eben auch Leslie Feist keine weitere Künstlerin zulässt. Ich sehe das anders. Und Ihr?
Der Mann ist eine Sensation: Ohne irgendwelche Schlagzeilen, die es bis in die Boulevard-Blatter schaffen, hat sich Jack Johnson zu einer konstanten Hit-Maschine entwickelt. Seine Alben verkaufen sich mittlerweile nicht nur an den Surfer-Stränden sondern auch auf dem Festland wie geschnitten Brot. Anscheinend kommt der herrlich unaufgeregte Sound in unserer von Hektik geprägten Welt bestens an.
Am 1. Februar gibt es mit „Sleep through the Static“ endlich ein neues Album von Jack Johnson. Ihr könnt schon jetzt reinhören. Und: Im Juli kommt der ehemalige Pro-Surfer für drei Konzerte nach Deutschland. Die Auftritte werden allesamt unter freiem Himmel stattfinden. Ganz ehrlich, das sollte man sich nicht entgehen lassen.